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Archiv 2018 "Die Plattform-Demokratie"

Pressemitteilung
Die Plattform-Demokratie

Frankfurt am Main, 14. Februar 2018. Je mehr die Grenzen zwischen Online und Offline verschwimmen, desto stärker prägen Algorithmen unseren Alltag, unseren Medienkonsum und damit unsere Wahrnehmung der Welt. Längst sind sie eine wichtige Quelle sozialer Ordnung geworden, doch wer bestimmt, nach welchen Kriterien Algorithmen arbeiten?

Katharina Zweig, Leiterin des Algorithm Accountability Lab der Technischen Universität Kaiserslautern, fordert: „Wir brauchen dringend festgelegte Qualitätskriterien und Möglichkeiten der Überprüfung überall dort, wo Maschinen Entscheidungen über Menschen treffen, die eine große Auswirkung auf deren gesellschaftliche Teilhabe erzielen können.” In einer Studie konnte die Informatik-Professorin nachweisen, „dass algorithmische Entscheidungssysteme bezüglich eines bestimmten Aspektes scheinbar hochwertige Entscheidungen trafen, bezüglich eines anderen, gesellschaftlich wichtigeren, aber miserabel abschnitten“.

Für die Technik-Philosophin Catrin Misselhorn ist klar: Je größer die Fortschritte der Künstlichen Intelligenz werden, desto weniger können Entwickler planen und vorhersagen, welche Entscheidungen die selbst lernenden Systeme in einer spezifischen Situation treffen werden. Deshalb gehe es auch darum, so die Direktorin des Instituts für Philosophie der Universität Stuttgart, „künstliche Systeme mit der Fähigkeit zu moralischen Entscheidungen und Handeln auszustatten“. Ganz nebenbei verspreche die Entwicklung von Maschinenethik, so die Inhaberin des Lehrstuhls für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie, eine Verbesserung der menschlichen Moral – weil sie dazu zunächst reflektiert und vereinheitlicht werden müsse.

Die Philosophin Catrin Misselhorn und die Informatikerin Katharina Zweig suchen beim lpr-forum-medienzukunft nach Möglichkeiten der Gestaltbarkeit Künstlicher Intelligenz.

Tobias Gostomzyk ergänzt aus juristischer Sicht: „Sicher ist das Netz kein rechtsfreier Raum, allerdings besitzt es eine Eigenlogik“, sagt der Professor für Medienrecht an der Technischen Universität Dortmund. Diese müssten Gesetzgebung und Rechtspraxis einbeziehen, um „internetgerecht“ Rahmen zu setzen und zu entscheiden. „Es ist vielfach nicht ausreichend, einfach das geltende Recht aus der offline-Welt in die Online-Welt zu übertragen.”
Für Joachim Becker, Direktor der gastgebenden Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen), „ist es unabdingbar, sich angesichts der geradezu dystopischen Manipulationsmöglichkeiten und den Auswirkungen einer immer weiter um sich greifenden Desinformationsökonomie sich mit den zwei zentralen Fragen auseinander zu setzen: Wer bestimmt über unsere Information? Und wer hat die Macht über unsere Daten?“

Beim lpr-forum-medienzukunft diskutieren unter der Überschrift

Die Plattform-Demokratie
Gesellschaftliche Brüche, veränderte Kommunikation, disruptive Technologie

Joachim Becker, Direktor der LPR Hessen, Werner D‘Inka, Herausgeber Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ludger Fittkau, Korrespondent, Deutschlandradio; Tobias Gostomzyk, Professor für Medienrecht, Technische Universität Dortmund, die Europa-Abgeordnete Rebecca Harms, Fraktion Die Grünen/EFA, Catrin Misselhorn, Direktorin des Instituts für Philosophie und Inhaberin des Lehrstuhls für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie, Universität Stuttgart, Heike Raab, Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und für Europa, für Medien und Digitales, Rundfunkkommission der Länder, Gary S. Schaal, Professor für Politikwissenschaft an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg, Stephan Russ-Mohl, Professor für Journalistik und Medienmanagement, Università della Svizzera italiana, Lugano und Leiter des European Journalism Observatory, Katharina Zweig, Professorin für Informatik und Leiterin des Algorithm Accountability Lab, Technische Universität Kaiserslautern. Es moderieren die Journalistinnen Lena Jakat (Süddeutsche Zeitung Online) und Ingrid Scheithauer.

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am 1. März in der Evangelischen Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt

Weitere Informationen unter lpr-forum-medienzukunft

Rückfragen an: Büro Ingrid Scheithauer | Zedernweg 5 | D-53340 Meckenheim |
Frau Ulrike Oertel | Tel. 0160 73 74 624 | oertel@ingridscheithauer.de